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Auftaktveranstaltung zu den Hans Kelsen Werken Mit einem prominent besetzten Festakt im Österreichischen Nationalrat wurde am 11. Oktober 2006 der 125. Geburtstag des wohl bedeutendsten deutschsprachigen Rechtswissenschaftlers des 20. Jahrhunderts, Hans Kelsen (1881-1973), gefeiert. Bei diesem Anlass stellte Professor Dr. Matthias Jestaedt erstmals einer größeren Öffentlichkeit das Editionsprojekt der »Hans Kelsen Werke« vor, das seit Februar 2006 unter seiner Leitung an der Hans-Kelsen-Forschungsstelle der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und ab April 2011 an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, in Kooperation mit dem Hans Kelsen-Institut (Wien), erarbeitet wird. Internationale Kooperation
Der Gastgeber der Veranstaltung, Nationalratspräsident Dr. Andreas Khol, erinnerte daran, dass Hans Kelsen, der Schöpfer der »Reinen Rechtslehre«, maßgeblich am österreichischen Bundes-Verfassungsgesetz von 1920 mitgearbeitet und mit dem österreichischen Verfassungsgerichtshof das Vorbild für viele moderne Verfassungsgerichte geschaffen hat. Nach Khols Auffassung steht »das österreichische Parlament auf den Schultern Kelsens«, eines der prominentesten deutschsprachigen Demokratietheoretiker, dessen »Staatslehre« von luzider Klarheit sei. Der Geschäftsführer des Hans Kelsen-Instituts em. Univ.-Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Robert Walter (Wien) würdigte in seinen Ausführungen Leben und Werk Kelsens, gab einen Überblick über dessen Karriere als Verfassungsrechtler und als Wissenschafter und beleuchtete besonders die Rolle Kelsens als Mitgestalter der Verfassung der Ersten Republik. Der Leiter des Verfassungsdienstes im Bundeskanzleramt, Univ.-Prof. Dr. Georg Lienbacher, vertrat Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel. In Würdigung der Rolle als verfassungsrechtlicher Konsulent nach Untergang der Monarchie bezeichnete Lienbacher Kelsen als »Verfassungsdienstler der ersten Stunde«. Er fasste seine Ausführungen über das Wirken und die Bedeutung Hans Kelsens zusammen mit den Worten: »Wenn es einen Nobelpreis für Rechtswissenschaften gäbe, hätte Kelsen ihn erhalten.« Festrede des österreichischen Bundespräsidenten
In einem kurzen, prägnanten wissenschaftlichen Vortrag setzte Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Stanley L. Paulson (St. Louis, derzeit Kiel) sich mit der Entwicklung der Rechtsphilosophie Kelsens auseinander. Er trat der verbreiteten These entgegen, Kelsen habe seinen Neukantianismus unter dem Einfluss des angelsächsischen Empirismus im Jahr 1960 aufgegeben, und wies nach, dass bereits die ersten rechtstheoretischen Schriften Kelsens ein Spannungsverhältnis von Empirismus und transzendentalem Neukantianismus erkennen lassen. Förderung durch DFG und Bundeskanzler
Als Pilotband der Edition präsentierte Jestaedt im Rahmen des Festaktes die Sonderpublikation »Hans Kelsen im Selbstzeugnis«. Diese enthält die beiden autobiographischen Schriften Hans Kelsens, die »Selbstdarstellung« (1927) und die verschollen geglaubte »Autobiographie« (1947), sowie in einem Anhang eine Werk- und Lebenschronik, einen Familienstammbaum sowie 46 Fotografien des öffentlichen und des privaten Kelsen in allen Lebensalter.
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HKW Band 5 |
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